Elbgermanen in Hessen

Elbgermanen

Zu den Elbgermanen werden in erster Linie die  Semnonen, Hermunduren, Quaden, Markomannen und Langobarden gerechnet.  Diese, auch als suebische Stämme bezeichneten Germanen siedelten ursprünglich im Elbegebiet. Für die gesamte Region von der Elbmündung bis in das heutige Tschechien entwickelten sie, wahrscheinlich auf Basis der Jastorf Kultur, einen recht einheitlichen Kulturraum und Formenkreis.

 

Erste Zuwanderung bis ca. 200

Im Verlauf des 2. Jahrhunderts breitete sich der elbgermanische Formenkreis nach Süden und Südwesten aus. Um das Jahr 200 herum kam diese Ausbreitung am obergermanisch - rätischen Limes und am Donaulimes zunächst zum Erliegen. Getragen wurde diese Ausbreitungsbewegung wahrscheinlich vor allen von zusammengewürfelten Heerhaufen (Gefolgschaften) .  Eine Aufsiedelung des Gebietes erfolgte wahrscheinlich erst nach der militärischen Einnahme durch allmählichen Bevölkerungsnachzug.

In Hessen hatte Rom, nach den Markomannenkriegen und den Chattenaufständen, die einheimische Bevölkerung im Limesvorland bereits deutlich dezimiert. Soweit eine Rhein-Wesergermanische Restbevölkerung nach der Dezimierung im Limesvorland siedelte, verdrängten die Elbgermanen sie weitgehend aus dem Limesvorland in Richtung Norden. Zumindest verschwinden die Rhein -Wesergermanischen Funde im Zuge der elbgermanischen Einwanderung in diesem Gebiet weitgehend aus dem archäologischen Fundgut. Sie werden durch Funde aus dem elbgermanischen Formenkreis abgelöst. Der Zuzug wurde zudem durch die römische Politik, germanische Föderaten und Auxiliare im Heer einzusetzen, gefördert.

Spätestens im Zuge der Wanderung der Elbgermanen kam es auch zu einer allmählichen Auflösung der alten Stämme zugunsten der Bildung kurzfristiger Heerhaufen und Bündnisse. Zumindest finden die tradierten Stammesnamen kaum noch Erwähnung in der römischen Literatur.

Ab Beginn des 3. Jahrhunderts ist das hessische Limesvorland elbgermanisch geprägt.

 

Elbgermanen am Limes

Das  Verhältnis der im Limesvorland lebenden Elbgermanen zu den benachbarten Römern war augenscheinlich gespalten. Einerseits weisen elbgermanische Funde in den Limeskastellen (Saalburg und Zugmantel) und Städten (Nidda) deutlich darauf hin, dass intensive Handelsbeziehungen über den Limes bestanden und wohl auch eine größere Anzahl Elbgermanen in den Limeskastellen diente.  Andererseits bildeten sich im Limesvorland immer wieder Gefolgschaften, die zum Plündern und Brandschatzen in das römische Gebiet eindrangen.

 

Der Fall des Limes

Durch die Perserkriege war Rom gezwungen Truppen aus den Limeskastellen an die Front zu verlegen, was einerseits die Besatzung am Limes schwächte und andererseits zur verstärkten Rekrutierung elbgermanischer Truppen für die Limeskastelle führte.  Ca. im Jahr 233 bildete sich eine ungewöhnlich schlagkräftige elbgermanische Gefolgschaft, die weit in die Wetterau und angrenzende römische Gebiete einfiel. Ihr folgten in den nächsten beiden Jahren weitere germanische Überfälle. Sie verursachten schwere Schäden und Verluste auf römischer Seite, Im Gefolge dieses großen Einfalls der Elbgermanen zog  Rom den größten Teil der Zivilen römischen Bevölkerung aus der Wetterau ab und siedelte sie neu im linksrheinischen Gebiet an. Gleichzeitig wurden die Truppen in den Limeskastellen reduziert, oder zumindest nicht wieder aufgefüllt. Teile der Kastellbesatzungen wurden bereits zu diesem Zeitpunkt hinter den Rhein zurückgezogen, um die gallischen Provinzen zu sichern. Nach dem Tod des Severus Alexander setzte sich dieser Trend, abgesehen von einzelnen römischen Vorstößen, auf germanisches Gebiet (z. B. Schlacht am Harzhorn) und einer kurzzeitigen Stabilisierung unter Maximinus Thrax fort. Parallel zum Rückzug der römischen Bevölkerung aus der Wetterau, kommt es bereits zu einer allmählichen elbgermanischen Aufsiedelung dieses Gebietes. Eine besondere Rolle düften dabei entlassene elbgermanische  Söldner im römischen Dienst gespielt haben, was sich an atypisch häufigen Münzfunden in den neuen elbgermanischen Siedlungen zeigt.

 

Nach dem Limesfall

Mit dem Rückzug Roms hinter den „nassen Limes“ und der Aufgabe des Dekumatlands zwischen 260 und 280 verstärkte sich die elbgermanische Einwanderung in das weitgehend verlassene ehemals römische Gebiet.  Die elbgermanischen Gefolgschaften verbinden sich in einem lockeren Gefolgschafts- oder Stammesverband . Dieser Stammesverband erhielt den Namen Alamannen.

Entlang des gesamten obergermanisch – rätischen Limes drangen die Alamannen nun ungehindert in das Dekumatland vor. In Hessen siedelten die Alamannen den gesamten Raum Südhessen und südliches Mittelhessen auf. Die weitgehend  in die Gebiete ab dem nördlichen Mittelhessen verdrängten Chatten verbündeten sich später mit dem Stammesverband der Franken.