Germanisches Stammesrecht

Leider fehlen eigene germanische Überlieferungen zum Stammesrecht im 1. Jahrhundert, so dass wir uns teilweise auf die römischen Quellen verlassen müssen. Hierzu schrieb Tacitus:

"Es ist gestattet, bei der versammelten Gemeinde auch anzuklagen und Verfolgung auf Leben und Tod zu richten. Die Unterscheidung der Strafen geht nach dem Verbrechen: Verräther und Ueberläufer hängen sie an Bäumen auf, Feiglinge und Kriegsflüchtige und am Körper Geschändete senken sie in Koth und Sumpf, darüber eine Flechte geworfen. Die Verschiedenheit der Todesstrafe zielt dahin, als müsse man die Verbrechen aufzeigen, wenn man sie bestraft, die Schandthaten verbergen. Doch auch bei leichteren Verschulden büßen nach Verhältnis der Strafen die Ueberführten mit einer Anzahl Pferden und Heerdethieren. Ein Theil der Buße wird dem König oder der Gemeinde entrichtet, ein Theil demjenigen selbst, der gesühnt wird, oder seinen Verwandten."

Demzufolge kannte das germanische Stammesrecht bereits im 1. Jahrhundert ein Schadensersatz- und Sühnesystem, dass sich später im Wehrgeld wiederfindet. Nur für besonders schwere und verachtenswerte Taten war die Todesstrafe vorgesehen.