Römer und Elbgermanen / Alamannen

Von Ende des 2. Jahrhunderts bis zum Ende des römischen Reiches waren die Elbgermanen und die Römer unmittelbare Nachbarn. Im militärischen Bereich war das Miteinander ebenso vom Dienst im römischen Heer, wie von germanischen Überfällen und Raubzügen im römischen Gebiet geprägt. Nicht zuletzt Unterschiede im Rechtsverständnis führen immer wieder zu römisch - alamannischen Konflikten.

Elbgermanen / Alamannen im Römischen Heer

Elbgermanische bzw. alamannische Auxiliare (Hilfstruppen) und später Föderati (Verbündete) dienten verbreitet im römischen Heer.

Die Motivation der Germanen sich in den römischen Militärdienst zu begeben kann letzlich nur vermutet werden. Dennoch werden in vielen Fällen wirtschaftliche Gründe maßgeblich gewesen sein, waren doch regelmäßige Verpflegung und ein fester Sold in kaum einem anderen Beruf zu erlangen. Hinzu kam, dass die Auxiliarii mit dem Ende ihrer Dienstzeit (nach 25 Jahren) das römischer Bürgerrecht erhielten, das ihnen und ihren Nachkommen ein Leben in relativer Sicherheit im römischen Imperium sicherte.

In der Regel setzte Rom die Auxiliarverbände "weit weg von Zuhause" ein. So waren in Italien, Spanien Ägypten und Syrien zeitweilig alamannische Verbände bis Kohortenstärke im Einsatz. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Die römischen Grenztruppen wurden ebenfalls durch alamannische Verbände verstärkt und aufgefüllt, so dass sich an der Grenze Germanen / Alamannen auf beiden Seiten gegenüberstanden. Germanische Auxiliare und Foederati, besoders die Franken,  stiegen nicht selten zu hohen Rängen im Heer auf. Die elbgermanisch - alamannischen Söldner bekleideten allerdings bis auf wenige Ausnahmen keine höheren Ränge. Dennoch hatten einzelne alamannische Offiziere erheblichen Einfluss. So soll Crocus als Offizier und ehemaliger alamannischer Fürst im Jahre 306 maßgeblich an der Erhebung Konstantins zum Kaiser beteiligt gewesen sein.

"Unzuverlässige Alamannen"

Germanische Völker und besonders auch die Alamannen galten bei Römern als unzuverlässige Vertragspartner. Dies lag wohl im Wesentlichen daran, dass besonders hinsichtlich der Bindungswirkung von Verträgen ein grundlegend unterschiedliches Rechtsverständnis bestand. Verträge, wie Friedensschlüsse oder Tributvereinbarungen betrachtete Rom als "Staatsverträge". Die germanischen Völker dagegen kannten nur persönliche Verträge. Bestanden aus römischer Sicht die Verträge und ihre Bindungswirkung nach dem Tod eines Kaisers weiter, so war dem die germanische Auffassung entgegengesetzt. Mit dem Tod des Vertragspartners wurde der Vertrag als hinfällig betrachtet.
So wurden die Alamannen aus römischer Sicht immer wieder Vertragsbrüchig, da für sie nach dem Tod des Vertragspartners die Verträge keine Bindungswirkung mehr hatten.

Handel

Insbesondere römische Münzen, Keramiken und Gläser, die im alamannischen Siedlungsgebiet gefunden wurden, belegen einen umfangreichen Warenaustausch zwischen den Kulturen. Über das römische Imperium gelangten auch typische Fernhandels- und Luxuswaren nach Süddeutschland. Darunter Wein, Seide, Edelsteine wie Almandine uvm.
Fraglich ist allerdings, ob die Abnahme der Münzfunde mit der Zeit mehr auf eine Reduzierung des Handelsvolumens oder mehr auf eine Rückkehr zum Tauschhandel deutet.

Gallorömische Bevölkerung

Bereits unmittelbar nach den großen Eebgermanischen Einfällen in den Jahren 233 bis 235 zog Rom einen erheblichen Teil der gallorömischen Bevölkerung des Dekumatlandes hinter den Rhein zurück.

Mit der Aufgabe des obergermanisch - rätischen Limes war das Gebiet weitgehend geräumt. Die meisten römischen Städte und Güter waren verlassen oder zerstört. Alamanische Plünderungstrupps taten ein übriges und führten das Zerstörungswerk fort. Klare und eindeutige Spuren einer gallorömischen Restbevölkerung lassen sich danach nicht ausmachen. Soweit eine gallorömische Restbevölkerung im Siedlungsgebiet verblieb, ging sie wohl in den Alamannen auf. Die These, dass die gallorömische Restbevölkerung von den Alamannen zu Arbeitstätigkeiten herangezogen wurde , also quasi eine (versklavte oder unfreie) Unterschicht bildete ist dabei recht verbreitet. Sie wird einerseits durch die teilweise Kontinuität provinzialrömischer Funde bestätigt, andererseits zeigen genetische Untersuchungen am Gräberfeld Weingarten, dass es ab dem 5. Jahrhundert keine genetisch abgrenzbare Unterschicht gab. Letzteres spricht eher für eine Vermischung der Restbevölkerung mit den Zuwanderern oder deren vollständigen Untergang.